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| Vertrieb: |
Al!ve |
| Label: |
Plainsong Records |
| VÖ: |
27.01.2006 |
| Status: |
erhältlich |
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Hardy Fieting und sein Berliner Kreativensemble verwandelten sich
erneut in Nachtwesen und versammelten sich ganz im bindungsintensiven
Stil der Band über einen Zeitraum von acht Monaten Abend für
Abend im Band Studio, um bis tief in die Nacht an Ihrem nächsten
Meilenstein Produkt zu arbeiten.
Der kommerzielle Segen des ablaufenden Jahres war dabei in Form
von wertvollem, weil hilfreichem, technischem Equipment ein sehr
willkommener Pate für die Umsetzung auch anspruchvollster Sound
Ideen.
rezension 2006
In schöner Regelmäßigkeit kredenzen uns die Berliner
in tiefer Harmonie getränkte Alben. Tragische Melodielinien
treffen auf heftige Gitarren und darüber thront eine Stimme,
deren Stimmbänder mit derart viel Gefühl gesegnet sind,
das man seine Gehörgänge davon nur all zu gerne streicheln
lässt. Erneut gelingt es, den Hörer über die gesamte
Albumlänge zu fesseln.
Es ist nicht der einzelne Song, sondern
die Komplexität des Werkes, welche begeistert. Aufgrund der
Eingängigkeit könnte man auch von wundervollen, düsteren
Pop Songs sprechen, was musikalisch noch einigermaßen passt
wird aber bei den tiefgreifenden Texten eine sehr despektierliche
Meinung.
Sezierung von Seelenzuständen, ehrliche Gefühlwelten
der negativen Seite wie Wut, Verzweiflung, Ohnmacht werden dezent
bedrohlich intoniert. Der sanftmütige Trauerflor als Damoklesschwert
eingebettet in tragisches Songwriting.
Wütend, bittersüss, dann wieder balladesk, aber auch
wie in "nonentity" mit dem Kitsch kokettierend verteilen
die Songs kleine Nadelstiche in der Herzgegend. Die getragene Seite
der dunklen Musik war immer schon das Metier, auf dem sich Scream
Silence perfekt auskannten. Wenn man überhaupt von Steigerungen
zu den beiden genialen Vorgängeralben ausmachen kann, ist es
im rockigen Bereich. |
Es ist nicht unbedingt der Effekt, dass die Saiten besser mit dem
Keyboard harmonieren, eher die Tatsache, dass man im Songwriting
zugelegt hat und das nicht - wie leider in vielen Fällen -
mit reichlich Bombast, sondern mit der Liebe zum Detail. So überzeugt
die aktuelle Single "Creed" mit melancholischer Strophe
und von Saiten getragenen Refrain. Das verspielte Key erinnert zuweilen
an Sounds der 80er. Der Chorus legt sich sanftmütig und betörend
um die Gehörknöchelchen. Der Opener "Narrowness"
lehnt sich an den Goth Rock moderner finnischer Prägung an.
Hinter'm Mikro läuft Hardy zur Höchstform
auf. Er variiert zwischen sonorer Dunkelheit und erhabener Helligkeit.
Man könnte im Songverlauf, der von klassischer Musik nicht
unbeeinflusst ist, auch die Stimme als zusätzliches Instrument
bezeichnen. Perfekt der Übergang zu "finite State",
welches mich musikalisch ein wenig an The Mission erinnert. "Homecomming"
hat diese Schwere, deren elegische Ausrichtung der Tagträumerei
frönt. Der Text füllt diese Tagträumerei mit realem
Leben.
Wie man die einzelnen Diamanten mit dem Schlusssong
"Yon" in eine Karatunbestimmbarkeit führt hat klasse.
Soundtrackartige Eleganz paart sich mit spannungsgeladenen Songwriting.
Im Gesamtkontext des Werkes ist dieser letzte Titel sicher als mutig
zu bezeichnen. Die Band experimentiert mit teils fremden elektronischen
Elementen. Das Stück chillt sich praktisch in die Auffanggeräte.
Momentaufnahmen des Songs könnten im Pink Floyd Laboratorium
entstanden sein.
Und ich hab wieder eine Kritik über Scream Silence geschrieben,
ohne auch jemals eine andere Band aus Berlin in Erwähnung
zu ziehen. Was jetzt etwas humorvoll daherkommt, soll auch darauf
hinweisen, dass Scream Silence viel zu eigenständig ist,
um auf Vergleiche angewiesen zu sein. Wem es gelingt, 5 Alben
in dieser Qualität
zu veröffentlichen, ohne sich jemals dem Diktat der Massen-kompatiblität
(immer im Bezug zur Fehlsozialisierung der Ohren durch bestimmte
Medien) zu unterwerfen, gehört zu den ganz großen Bands.
Quelle: www.amboss-mag.de
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